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Geschichte und Grundlagen
der Nachhaltigkeitsbewegung
Agenda
21 Wohlen
bildet das lokale Glied einer globalen Bewegung, die
1992 mit der
Internationalen Konferenz für Umwelt und Entwicklung in
Rio de Janeiro ihren Auftakt hatte.
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Bild: Nasa
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An dieser Konferenz wurde
das Konzept der
Nachhaltigkeit
geprägt. Es bedeutet, das auf
einem Planeten mit endlichen Ressourcen und einer bedingten
Regenerationsfähigkeit der Lebenssysteme, nicht mehr
Ressourcen verbraucht werden dürfen, als nachwachsen können.
Andernfalls wird das Kapital von dem alle Lebewesen abhängen
verbraucht.
Unsere
Lebensweise, unsere Wirtschaft, ist somit nicht tragbar.
Aufbau
der Bewegung: Weltkonferenzen und internationale Abkommen,
nationale Konzepte und Gesetze, lokale Umsetzung - so die
Idee:
→
AGENDA21 International (UNO)
→
AGENDA21 National (Schweiz)
→
Agenda21
Kanton Bern und in den
Gemeinden
→ Lokale AGENDA21 Organisationen im
Kanton Bern:
Stadt Bern,
Spiez,
Interlaken
Die
Sorge um die Umwelt und der natürlichen Lebenswiege unseres
Seins hat eine lange Geschichte. Sie geht und wächst einher
mit der Industrialisierung und Mechanisierung unserer Welt.
Mit dem
Forstpolizeigesetz von 1876 haben
wir ein frühes Beispiel des vorausschauenden
Nachhaltigkeitsdenkens.
Andere früh
einsetzende Massnahmen waren Kanalisation, Gewässerschutz
und Luftreinhaltung (Londoner Smog von 1952).
In der
Gemeinde Wohlen ist der
Schutzverband Wohlensee
ein Organisation, die ihren Ursprung im Natur- und
Gewässerschutz der 1950er Jahre hatte.

Der
Begriff
"Umweltschutz" kam aber erst gegen Ende der 1960er Jahre auf
- zur Zeit als die ersten Bilder der Erde vom All aus
gemacht wurden. Die Bilder des "Blue Marble" 1972 halfen dem
Bewusstsein, dass die Erde eine verletzliche Heimat ist
und von endlicher Kapazität.
Die
UNO Weltkonferenz für Umwelt 1972
startete die internationale Umweltpolitik.
Im Juni
1970 hielt der
Club of Rome sein erstes förmliches Jahrestreffen in
Bern, Schweiz. 1972 erschien sein Bericht über die Grenzen
des Wachstums (siehe
→ Geschichte)
Heute, 40
Jahre später, beginnen wir die ersten ernsthaften Anzeichen
dieser Grenzen wahrzunehmen:
Es sind
Entwicklungen, die sich immer schneller und massiver
entfalten, wie der amerikanische Autor Chris Martenson in
seinem klaren und einfach gehaltenen Crash Kurs in 20 kurzen
Videos eindrücklich zeigt (Clicken Sie aufs Bild unten):
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Nachhaltigkeit
Das Wort
Nachhaltigkeit hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine
steile Karriere erlebt - und wie jedes Wort, das inflationär
verwendet wird, hat es dabei an Kontur verloren. Was
bedeutet Nachhaltigkeit "wirklich"?
Es existieren
zahlreiche Definitionen; gemeinsam ist ihnen, dass als
nachhaltig eine Lebensweise gilt, die ihre Substanz nicht
aufbraucht, sondern erhält oder mehrt. Am weitesten
verbreitet ist die Definition des Uno-Berichts Unsere
gemeinsame Zukunft ("Brundtland-Bericht")
von 1987:
Nachhaltig ist eine
Entwicklung, die "die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt,
ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre
Bedürfnisse nicht befriedigen können".
In dieser Kürze, wie
die Definition meist zitiert wird, ist sie problematisch.
Sie suggeriert nämlich, dass es möglich sei, "die
Bedürfnisse der Gegenwart" nachhaltig zu befriedigen. Es
kann ein Bedürfnis eines Europäers von heute sein, sich in
der kalten Jahreszeit für eine Woche an den warmen Strand zu
legen und also in die Tropen zu fliegen - nachhaltig lässt
sich dieses Bedürfnis aber nicht befriedigen. Wichtig ist
deshalb der im Bericht folgende Satz:
"Das Konzept der
nachhaltigen Entwicklung impliziert Grenzen (...) abhängig
von der Fähigkeit der Biosphäre, die Effekte der
menschlichen Tätigkeit zu absorbieren." (Allerdings steht im
Bericht auch, dass die Grenzen Wachstum nicht ausschlössen.)
Die
Nachhaltigkeitsdefinitionen lassen sich in zwei Gruppen
unterscheiden: "schwache" und "starke". Nach dem Konzept der
"schwachen" Nachhaltigkeit sind natürliche Ressourcen nur
eine Form von Kapital unter anderen. Nachhaltig ist eine
Gesellschaft, die ihr Gesamtkapital erhält oder vermehrt. Es
ist legitim, natürliche Ressourcen aufzubrauchen, wenn dafür
neues menschengemachtes Kapital in mindest gleicher Höhe
entsteht. Problematisch ist daran natürlich, dass sich die
verschiedenen Kapitalarten nicht wirklich vergleichen
lassen. Wer einen Diamanten schürft, schafft damit sehr viel
Kapital, weil dieser kleine Stein einen extrem hohen Wert
hat; er darf also für diesen Diamanten vergleichsweise
grossen Umweltschaden anrichten. Aber der Wert des Diamanten
ist ein Liebhaberwert. Werden die natürlichen Ressourcen
knapp, kann er zum Überleben der Menschheit nichts
beitragen.
Nach dem Konzept der
"starken" Nachhaltigkeit müssen die natürlichen Ressourcen
für die allein erhalten oder vermehrt werden: Rohstoffe
dürfen der Umwelt nur so schnell entnommen werden, wie sie
nachwachsen, Abfallstoffe nur so schnell in die Umwelt
eingebracht werden, wie von ihr abgebaut werden können.
Nicht erneuerbare Ressourcen, wie Erdöl lassen sich streng
genommen gar nicht "stark nachhaltig" nutzen. Die Vertreten
dieses Konzepts erachten eine Nutzung endlicher Ressourcen
aber dann als nachhaltig, wenn ein Teil des Gewinns aus
dieser Nutzung dazu verwendet wird, Realersatz für die
verbrauchten Ressourcen zu schaffen.
Seit der
Umweltkonferenz von Rio de Janeiro 1992 hat sich zudem
eingebürgert, ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekt
der Nachhaltigkeit zu sprechen.
Eine solche
Erweiterung des Nachhaltigkeitskonzepts über das Ökologische
hinaus mag sinnvoll sein, ist aber dann unsinnig, wann man,
wie es oft geschieht, die drei Aspekte als gleichberechtigte
Säulen betrachtet.
In Wirklichkeit
besteht zwischen ihnen eine klare Hierarchie: Die Umwelt ist
eine Produktionsfaktor der Wirtschaft, nicht aber umgekehrt.
Wirtschaft kann ökonomisch nur dann nachhaltig sein wenn sie
auch ökologisch nachhaltig ist, weil sie sonst eine ihrer
Grundlagen zerstört. Wenn gefordert wird, Umwelt, Wirtschaft
und Gesellschaft miteinander in Einklang zu bringen, ist das
Unfug. Natürlich muss die Wirtschaft mit der Umwelt in
Einklang gebracht werden; das Umgekehrte aber geht gar nicht
- es ist der Umwelt reichlich egal, was mit der Wirtschaft
geschieht. Wer behauptet, ökologische Nachhaltigkeit stehe
in einem Zielkonflikt mit "ökonomischer Nachhaltigkeit", hat
nicht die Wirtschaft als Ganzes in seinem langfristigen
Blick (und nur was langfristig ist, kann als nachhaltig
gelten), sondern Partikularinteressen bestimmter
Wirtschaftszweige, bestimmter Regionen oder der heutigen
Wirtschaft gegenüber der zukünftigen.
Marcel
Hänggi
(zitiert aus seinem 2011 erschienenen Buch
"Ausgepowert" S. 23)
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